01.10.2026: NWZ – NACHRICHTEN
Norddeutscher Wasserdialog – Rückblick Neues Format auf Anhieb ein Erfolg!
Am 24.09.2026 fand zum ersten Mal unser Norddeutscher Wasserdialog als Nachfolgeformat des seit Jahrzehnten bekannten Niedersächsischen Grundwasserkolloquiums statt. Aktuelle Themen, kompetente Referierende, interessierte Teilnehmer im Auditorium und führende Firmen unserer Branche in der begleitenden Fachausstellung haben zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen.
Folgender LINK führt zu einer kurzen Zusammenfassung des Geschehens am Campus Suderburg der OSTFALIA Hochschule für angewandte Wissenschaften:
Unsere Vorstandsmitglieder Prof. Klaus Röttcher als Gastgeber und Prof. Andreas Hartmann als Moderator führten durch die gut besuchte Tagung, deren Inhalte im Folgenden näher beschrieben werden (Autorin: Marie Ruhm).
Norddeutscher Wasserdialog: Gemeinsam Lösungen für die Wasserwirtschaft der Zukunft
Wasser ist eine unverzichtbare Ressource und gleichzeitig eine Ressource, um die unterschiedliche gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Interessen zunehmend konkurrieren. Klimawandel, steigende Wasserbedarfe und veränderte Anforderungen an die Wasserwirtschaft machen einen ganzheitlichen Blick auf den Wasserhaushalt erforderlich. Beim Norddeutschen Wasserdialog am 24. September 2026 kamen Fachleute aus Wasserwirtschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung am Campus Suderburg der Ostfalia Hochschule zusammen, um aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Lösungsansätze zu diskutieren.
Die Folgen des Klimawandels verändern die Verfügbarkeit von Wasser. Längere Dürre- und Trockenphasen führen zu geringerer Grundwasserneubildung, niedrigen Grundwasserspiegeln und verringerten Abflüssen in Oberflächengewässern. Gleichzeitig können häufigere Starkregenereignisse Entwässerungssysteme überlasten und das Hochwasserrisiko erhöhen. Parallel steigt der Wasserbedarf durch wachsende Siedlungsräume, Industrie und landwirtschaftliche Beregnung. Auch Klimaschutzmaßnahmen können neue Wasserbedarfe mit sich bringen. Hinzu kommen ökologische Anforderungen und der Schutz der Gewässer.
Damit entstehen zunehmend Nutzungskonkurrenzen. Einzelmaßnahmen reichen angesichts dieser komplexen Entwicklungen nicht immer aus. Gefragt sind integrierte Ansätze, die Wasserverfügbarkeit und Wasserbedarfe ebenso berücksichtigen wie räumliche, zeitliche, ökologische, digitale und wirtschaftliche Zusammenhänge.
Integriertes Wasserressourcenmanagement
Den Auftakt der Vortragsreihe bildete Karsten Specht vom Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV), dem flächenmäßig größten Wasserversorger Deutschlands, mit seinem Vortrag „Integriertes Wasserressourcenmanagement durch öffentliche Unternehmen der Daseinsvorsorge als eine wesentliche Antwort auf den Klimawandel“. Im Mittelpunkt stand der Ansatz des Integrierten Wasserressourcenmanagements (IWRM), bei dem Wasser nicht isoliert nach einzelnen Nutzungen oder Zuständigkeiten betrachtet wird.
Ziel ist es, Wasserbedarf und Wasserverfügbarkeit langfristig und ausgewogen miteinander in Einklang zu bringen. Der OOWV verfolgt hierfür einen kontinuierlichen und kooperativen Ansatz, der unterschiedliche räumliche und zeitliche Ebenen sowie digitale und organisatorische Aspekte miteinander verbindet. Aus Projekten werden Wissen und Lösungen entwickelt und neue Standards und Kooperationen etabliert.
„Die Herausforderungen der Wasserwirtschaft lassen sich nicht mehr aus einer einzelnen Perspektive heraus betrachten. Wir müssen die verschiedenen Nutzungen, die natürlichen Prozesse und die Auswirkungen des Klimawandels zusammen denken und gemeinsam mit den beteiligten Akteuren Lösungen entwickeln“, sagt Prof. Dr.-Ing. Klaus Röttcher.
Nutzungskonflikte pragmatisch angehen
Wie mit unterschiedlichen Interessen an der Ressource Wasser umgegangen werden kann, zeigten Sebastian Zeman-Kuhnert und Maximiliane Schöning vom Wasserverbandstag e.V. in ihrem Vortrag „Nutzungskonflikte in der Wasserwirtschaft – lösbar?“. Ihr Fazit fiel dabei deutlich aus: Vorhandene Möglichkeiten müssen pragmatisch genutzt werden. Es gebe kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem.
Notwendig seien frühzeitige Anpassungsstrategien und klare Regeln, damit Wasserprobleme möglichst gar nicht erst entstehen. Gleichzeitig komme es auf eine enge Zusammenarbeit an. Dabei müssten die jeweiligen Bedenken der beteiligten Akteure ernst genommen und lösungsorientiert bearbeitet werden.
Wie eine solche Zusammenarbeit konkret aussehen kann, zeigten Theresa Kaussen von der TenneT TSO GmbH, Lehrte, und Wiebke Arendt vom Wasserverband Garbsen mit ihrem gemeinsamen Vortrag „Stromleitungen im Wassergebiet: Von der Herausforderung zur gemeinsamen Lösung“.
Für TenneT ist der SuedLink ein gesamtgesellschaftliches Infrastrukturprojekt, das für die Energiewende eine leistungsfähige Netzinfrastruktur schaffen soll. Gleichzeitig können sich durch die hohe Siedlungs- und Infrastrukturdichte nicht immer alle Betroffenheiten vermeiden oder Trassen beliebig verlagern lassen. Aus Sicht des Wasserverbands Garbsen-Neustadt stehen dem die besonderen Schutzinteressen von Wasserschutzgebieten gegenüber. Sie dienen dem langfristigen Schutz von Grund- und Trinkwasser; eine Erdkabeltrasse innerhalb eines Wasserschutzgebietes wäre daher die bevorzugte zu vermeidende Lösung. Zusätzliche Risiken durch Bau und Betrieb müssen möglichst minimiert werden.
Beide Seiten stellten einen gemeinsamen Lösungsweg durch Kooperation statt Konfrontation in den Mittelpunkt. Dazu gehören unter anderem die zeitliche und räumliche Minimierung von Eingriffen, ein konkretes Überwachungs- und Monitoringkonzept sowie bilaterale Gespräche für eine enge Zusammenarbeit. So sollen Infrastrukturvorhaben ermöglicht und gleichzeitig die Schutzinteressen der Wasserwirtschaft berücksichtigt werden.
Wasser und Energiewende gemeinsam denken
Mit der Verbindung von Wasser- und Energiewirtschaft beschäftigte sich anschließend Kerstin Krömer von IWAG in ihrem Vortrag „Optionen der Wasserversorgung zur Erzeugung von grünem Wasserstoff“. Dabei wurde deutlich, dass eine leistungsfähige Brauchwasserversorgung durch öffentliche Wasserversorger auch für die Ansiedlung und Entwicklung industrieller Projekte von Bedeutung sein kann.
Eine entsprechende Infrastruktur ermöglicht einen diskriminierungsfreien Zugang zur Wasserversorgung für unterschiedliche Projekte und kann bestehende und neue industrielle Wasserverbraucher über zusätzliche Brauchwasseranlagen und -leitungen versorgen. Gleichzeitig kann eine einheitlich definierte Qualität des Basis-Brauchwassers die Nutzung für verschiedene Industrien erleichtern. Nach der Anlaufphase kann so zudem die Nutzung von Trinkwasser für industrielle Prozesse vermieden werden.
„Verschiedene Sichtweisen schaffen es, Lösungswege zu identifizieren“, sagte Krömer und brachte damit einen zentralen Gedanken des Wasserdialogs auf den Punkt.
Datenbasierte Strategien und neue Ansätze
Nach dem Mittagessen richtete sich der Blick auf Digitalisierung und Infrastruktur. Nils Witt von der simplyst GmbH sprach unter dem Titel „Vorausdenken statt Nacharbeiten: Wie eine datenbasierte Netzstrategie Kosten senkt und Risiken beherrschbar macht“ über die Möglichkeiten, wasserwirtschaftliche Netze mithilfe von Daten vorausschauender zu planen und zu betreiben.
Daran anschließend zeigte Pascale Rouault vom Kompetenzzentrum Wasser Berlin, wie digitale Technologien dabei unterstützen können, den Zustand von Abwassernetzen frühzeitig zu erkennen und Instandhaltungsmaßnahmen gezielter zu planen.
Einen regionalen Blick bot Martin Kleingünther vom Landkreis Diepholz mit seinem Vortrag „Bausteine des Wassermanagements im Landkreis Diepholz“.
Nach der Kaffeepause sprach Clemens Löbnitz vom Kreisverband der Wasser- und Bodenverbände Uelzen über „Wasserwirtschaft im Wandel: Bedarfe, Wasserrechtsverfahren und zukunftsfähige Wassernutzung“ und beleuchtete damit die wachsenden Anforderungen an eine langfristig tragfähige Wassernutzung.
Den Abschluss bildete Franz Antony von der INGUS (Ingenieurdienst Umweltsteuerung GmbH) mit seinem Vortrag „Die Wiederherstellung leistungsfähiger SchwammÄcker: Ein Beitrag der Landwirtschaft für mehr Grundwasser“. Im Mittelpunkt stand die sogenannte „Unterboden-Bewirtschaftung“, die mechanische, biologische und chemische Ansätze miteinander verbindet.
Durch den Einsatz von Tiefenlockerern kann eine flächenhafte Krumenvertiefung erreicht werden, ohne neue Grenzschichten zu erzeugen. Im Vergleich zum Tieferpflügen bietet dieser Ansatz Vorteile für den Aufbau eines gesunden und multifunktionalen Ackerbodens. Verbesserungen bei Bodenleben, Bodengefüge, Porenvolumen, Wurzeltiefe und Wurzelraum können zugleich die Wasserinfiltration, Wasserspeicherung und Wasserdurchlässigkeit fördern. Dadurch wird sowohl die Grundwasserneubildung als auch die Schwamm- und Wasserrückhaltefunktion der Flächen unterstützt. Weitere Effekte können beim Humusaufbau und bei der Verringerung der Nitrat-Auswaschung entstehen.
Antony stellte damit einen Ansatz vor, bei dem Landwirtschaft und Wasserwirtschaft unmittelbar voneinander profitieren können: Mehr Wasserrückhalt und Grundwasserneubildung treffen auf eine höhere Ertragssicherheit und mögliche Ertragssteigerungen – eine Win-Win-Situation für beide Bereiche.
Kommunikation als Grundlage gemeinsamer Lösungen
Moderiert wurde die Veranstaltung von Andreas Hartmann vom Norddeutschen Wasserzentrum (NWZ) e.V. Für ihn sei Kommunikation eine wesentliche Voraussetzung, um bei unterschiedlichen Interessen zu gemeinsamen Lösungen zu gelangen. Dieser Gedanke zog sich durch die gesamte Veranstaltung. Ob bei Infrastrukturprojekten, der industriellen Wasserversorgung, der Landwirtschaft oder der Sicherung von Trinkwasserressourcen: Die Herausforderungen lassen sich nicht aus einer einzelnen Perspektive heraus lösen.
Unterschiedliche Interessen müssen sichtbar gemacht, Bedenken ernst genommen und gemeinsam bearbeitet werden.
Der Norddeutsche Wasserdialog wurde gemeinsam vom Norddeutschen Wasserzentrum NWZ) e.V., der INTWA – Interessengemeinschaft für norddeutsche Trinkwasserwerke e.V. und der Ostfalia Hochschule veranstaltet. Die ganztägige Vortragssession mit Fachausstellung bot eine Plattform für fachlichen Austausch und Vernetzung und machte deutlich: Eine zukunftsfähige Wasserwirtschaft braucht nicht nur technische und wissenschaftliche Innovationen, sondern ebenso Kooperation, integrierte Strategien und einen offenen Dialog über unterschiedliche Interessen hinweg.




